Dein Lebenslauf ist aktuell, die Stellenanzeige klingt gut, und dann steht da ganz unten: "Bitte senden Sie uns Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen inklusive Anschreiben". Genau an dieser Stelle bleiben viele Bewerbungen liegen. Was sollst du schreiben, das nicht schon im Lebenslauf steht? Und wie verhinderst du, dass dein Anschreiben klingt wie das aller anderen?
Die gute Nachricht: Für ein überzeugendes Anschreiben brauchst du kein Schreibtalent. Es geht vor allem um Struktur, klare Entscheidungen und konkrete Beispiele. In diesem Artikel erfährst du, wie du dein Anschreiben aufbaust, wie du ohne Floskeln einsteigst, wie du es an die Stelle anpasst, wie lang es sein darf und welche Fehler du leicht vermeidest. Am Ende findest du ein kurzes Beispiel mit Erläuterungen zu jedem Absatz.
Was ein Anschreiben leistet (und was nicht)
Dein Lebenslauf zeigt, was du gemacht hast. Dein Anschreiben erklärt, warum du diese Stelle willst und warum du gut passt. Wer es liest, meist jemand aus dem Recruiting oder deine künftige Führungskraft, möchte danach drei Dinge wissen:
- Versteht diese Person, worum es in der Stelle geht?
- Hat sie nachweislich schon getan, was wir brauchen?
- Warum will sie gerade bei uns arbeiten?
Was ein Anschreiben nicht ist: dein Lebenslauf in ganzen Sätzen, deine Lebensgeschichte oder eine Liste von Eigenschaften wie "teamfähig, flexibel und belastbar". Diese Wörter benutzt jeder, und sie beweisen nichts.
Der Aufbau: vier Absätze, die funktionieren
Ein klares Anschreiben folgt einer festen Linie. Du musst dich nicht sklavisch daran halten, aber dieser Aufbau gibt dir Halt:
- Einstieg – Auf welche Stelle bewirbst du dich und was ist dein Aufhänger? Ein bis drei Sätze, die sofort zeigen, was du mitbringst.
- Warum du – Der Kern deines Anschreibens. Wähle zwei oder drei Anforderungen aus der Anzeige und zeig zu jeder mit einem konkreten Beispiel, dass du das schon gemacht hast.
- Warum dieses Unternehmen – Was reizt dich an dieser Organisation oder diesem Team? Sei konkret: ein Produkt, ein Projekt, eine Arbeitsweise. "Ein führendes Unternehmen" sagt nichts.
- Schluss – Komm kurz zum Ende und signalisiere, dass du dich auf ein Gespräch freust. Ohne Unterwürfigkeit und ohne Konjunktiv-Kaskaden wie "Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie eventuell…".
Im deutschsprachigen Raum gehören ein paar Formalien dazu. Über der Anrede steht eine Betreffzeile, zum Beispiel "Bewerbung als Marketing-Koordinatorin", gegebenenfalls mit Kennziffer der Anzeige. Kennst du den Namen der Ansprechperson, nutze ihn: "Sehr geehrte Frau Becker,". Steht keiner in der Anzeige, lohnt sich ein Blick auf die Website oder ein kurzer Anruf. Klappt das nicht, bleibt "Sehr geehrte Damen und Herren,". Nach dem Komma geht der erste Satz kleingeschrieben weiter. Zum Schluss folgt "Mit freundlichen Grüßen" (ohne Komma) und dein Name. Fragt die Anzeige ausdrücklich nach deiner Gehaltsvorstellung oder deinem frühestmöglichen Eintrittstermin, nennst du beides kurz im Schlussabsatz.
Der Einstieg: Lass die Standardfloskel weg
Viele Anschreiben beginnen mit "Hiermit bewerbe ich mich um die Stelle als…" oder "Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen". Falsch ist das nicht, aber wer Bewerbungen liest, kennt diese Sätze in- und auswendig. Dein erster Satz ist deine beste Chance aufzufallen, also nutze ihn. Drei Möglichkeiten für einen stärkeren Einstieg:
- Starte mit deiner Passung. "Seit sechs Jahren sorge ich als Disponent dafür, dass ein Logistikzentrum im Zweischichtbetrieb im Plan bleibt. Diese Erfahrung möchte ich als Teamleiter Logistik bei Ihnen einbringen."
- Starte mit einem konkreten Anknüpfungspunkt. "Als ich las, dass Sie Ihren Kundenservice auf feste Ansprechpartner pro Kunde umstellen, habe ich sofort das Projekt wiedererkannt, das ich im vergangenen Jahr bei meinem jetzigen Arbeitgeber geleitet habe."
- Starte mit einem echten Kontakt. "Nach meinem Gespräch mit Frau Schneider an Ihrem Messestand bin ich sicher, dass ich mich als Junior Data Analyst bei Ihnen bewerben möchte." Nutze das nur, wenn dieses Gespräch wirklich stattgefunden hat.
Alle drei nennen die Stelle und etwas über dich. Ein guter Einstieg funktioniert im Grunde wie ein kurzer Elevator Pitch auf Papier: in wenigen Sätzen, wer du bist, was du mitbringst und warum du hier bist.
Das Anschreiben an die Stelle anpassen
Ein Anschreiben, das unverändert an zehn Arbeitgeber geht, erkennt man sofort. Anpassen muss nicht stundenlang dauern, wenn du systematisch vorgehst:
- Markiere die wichtigsten Anforderungen. Lies die Anzeige und unterstreiche die Aufgaben und Anforderungen, die zuerst oder am häufigsten genannt werden. Das ist meist, was dem Arbeitgeber am wichtigsten ist.
- Wähle deine Belege. Such zu zwei oder drei dieser Anforderungen eine konkrete Situation aus Job, Studium oder Ehrenamt. Bau jedes Beispiel so auf wie bei der STAR-Methode: die Situation, was du getan hast und was dabei herauskam, verdichtet auf zwei, drei Sätze.
- Übernimm die Sprache der Anzeige. Steht dort "Stakeholder-Management", schreib nicht nur "Abstimmung mit Kollegen". So erkennt die Leserin oder der Leser die Passung sofort. Das gilt genauso für deinen Lebenslauf, vor allem wenn er zuerst durch ein Bewerbermanagementsystem läuft; mehr dazu in unserem Artikel über einen ATS-tauglichen Lebenslauf.
- Mach den Absatz "Warum dieses Unternehmen" echt. Lies die Website, aktuelle Meldungen oder Profile des Teams. Ein konkretes Detail sagt mehr als drei allgemeine Komplimente.
Wie lang darf ein Anschreiben sein?
Eine DIN-A4-Seite ist die Obergrenze, kürzer ist oft besser. Drei bis fünf kompakte Absätze reichen. Wer viele Bewerbungen liest, schätzt ein Anschreiben, das schnell auf den Punkt kommt. Wird in einem Online-Formular nur ein kurzes Motivationsfeld abgefragt, halte dich an den verfügbaren Platz und setz dein stärkstes Argument an den Anfang.
Verschickst du das Anschreiben als Anhang, nimm eine PDF-Datei mit klarem Dateinamen, etwa "Anschreiben_Alex_Weber_Marketing-Koordination.pdf". Viele Unternehmen wünschen alle Unterlagen in einer einzigen PDF-Datei oder nutzen ein Bewerbungsportal. Lies die Hinweise in der Anzeige deshalb genau.
Häufige Fehler
- Jeden Satz mit "Ich" beginnen. Variiere den Satzbau und schreib auch darüber, was der Arbeitgeber braucht.
- Den Lebenslauf wiederholen. Das Anschreiben ordnet deine Erfahrung ein, es zählt sie nicht noch einmal auf.
- Eigenschaften ohne Beleg. "Ich bin sehr ergebnisorientiert" überzeugt niemanden. "Ich habe die Bearbeitungszeit für Angebote von zwei Wochen auf vier Tage verkürzt" schon.
- Der falsche Firmenname. Ein Klassiker bei wiederverwendeten Anschreiben. Prüf Firmennamen, Stellenbezeichnung und Ansprechperson immer doppelt.
- Nur darüber schreiben, was du willst. "Die Stelle ist ein toller nächster Schritt für mich" ist in Ordnung, solange auch klar wird, was der Arbeitgeber davon hat.
- Rechtschreib- und Tippfehler. Lies dein Anschreiben laut vor oder lass jemanden gegenlesen. Fehler fallen auf, besonders in Jobs, in denen Genauigkeit zählt.
Ein kurzes Beispiel mit Erläuterungen
Angenommen, du bewirbst dich als Marketing-Koordinator bei einem mittelgroßen Onlineshop für Gartenbedarf. Die Anzeige verlangt Erfahrung im E-Mail-Marketing, die Zusammenarbeit mit externen Partnern und die Auswertung von Kampagnen. Dein Anschreiben könnte so aussehen (Name, Unternehmen und Details sind zur Veranschaulichung erfunden):
Bewerbung als Marketing-Koordinator
Sehr geehrte Frau Becker,
seit drei Jahren verantworte ich die Newsletter eines Onlineshops für Wohnaccessoires, von der Planung über die Texte bis zur Auswertung. Diese Erfahrung möchte ich als Marketing-Koordinator bei Gartenwerk einbringen.
Warum das funktioniert: Stelle und Passung stehen schon in den ersten beiden Sätzen, ganz ohne "hiermit bewerbe ich mich".
In meiner aktuellen Position habe ich unser E-Mail-Marketing neu aufgesetzt: Ich habe die Kundenliste nach Kaufverhalten segmentiert und teste bei jedem Versand zwei Betreffzeilen gegeneinander. Außerdem bin ich feste Ansprechperson für unsere Designagentur und unseren Fotografen und werte jeden Monat aus, welche Kampagnen Umsatz bringen und welche nicht.
Warum das funktioniert: Alle drei Anforderungen aus der Anzeige tauchen auf, jeweils mit einem konkreten Beispiel statt eines Adjektivs.
An Gartenwerk reizt mich besonders, dass Ihre Newsletter zu jeder Jahreszeit praktische Gartentipps enthalten. Diese Verbindung aus nützlichem Inhalt und Verkauf liegt mir, und ich habe bereits einige Ideen, wie sich die Tipps noch stärker an früheren Käufen der Kundschaft ausrichten lassen.
Warum das funktioniert: Das Detail zeigt, dass sich die Person wirklich informiert hat, und das Ende des Absatzes bietet etwas an, statt nur etwas zu wollen.
Gern erläutere ich Ihnen in einem persönlichen Gespräch, wie ich das bei Gartenwerk angehen würde. Ich kann die Stelle mit einer Kündigungsfrist von einem Monat antreten.
Mit freundlichen Grüßen
Alex Weber
Warum das funktioniert: kurz, aktiv, ohne Konjunktiv-Floskeln und mit dem Eintrittstermin, den viele Anzeigen abfragen.
Anschreiben und Lebenslauf als eine Geschichte
Die stärksten Bewerbungen erzählen in Anschreiben und Lebenslauf dieselbe Geschichte. Nennst du im Anschreiben drei Anforderungen aus der Anzeige, sollten sie auch im Lebenslauf sichtbar sein. Mit dem CV Tailor von MARA passt du deinen Lebenslauf an eine konkrete Stelle an, und der STAR-Geschichten-Generator von MARA hilft dir, deine Erfahrungen in konkrete Beispiele zu verwandeln, die du in wenigen Sätzen ins Anschreiben übernehmen kannst. Das Schreiben und die letzte Kontrolle bleiben deine Aufgabe: Du weißt am besten, was wirklich passiert ist.
Fazit
Ein gutes Anschreiben ist kurz, konkret und erkennbar für genau diese eine Stelle geschrieben. Steig mit deiner Passung ein, belege zwei oder drei Anforderungen mit echten Beispielen, zeig, warum du gerade dort arbeiten willst, und schließ mit dem Wunsch nach einem Gespräch. Lies es danach noch einmal laut. Dann hast du ein Anschreiben, das nicht klingt wie alle anderen, sondern wie du.